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Montag, 26. September 2016

Israel=Palästina?

Jedem Bibelleser scheint dies eine banale, selbstverständliche Aussage: Das auserwählte Volk Gottes ist das Volk Israel, und das dem Volk Israel seit 1. Mose 12,7 verheissene Land ist das Land Israel. So jedenfalls wird dieses Land in Matthäus 2,20 genannt. Doch diese Binsenwahrheit scheint nicht allen selbstverständlich zu sein.

Soeben erschien die 28. Ausgabe der wissenschaftlichen „Handausgabe des griechischen Neuen Testaments nach Nestle-Aland“. Dieser Ausgabe liegt der sogenannte Urtext zugrunde, der sich aus Tausenden von alten, als echt anerkannten Handschriften zusammensetzt. In einem doppelten wissenschaftlichen Apparat werden darin minutiös alle kleinen, vom Konsensus-Text abweichenden Textstellen aufgeführt, so dass man ein klares Bild aller ältesten Textzeugen des Neuen Testaments erhält. So wird offenbar, dass weltweit in der gesamten Literatur kein Schriftwerk in seiner Echtheit und Klarheit besser bezeugt ist als die überlieferten Texte des Neuen Testaments. Diese Handbuchausgabe dient nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern weltweit als wichtige Orientierung sowohl für das persönliche Studium der Bibel, als auch für den schulischen und akademischen Gebrauch und für die kirchliche Praxis in zahlreichen Gemeinden.
Im September wurde diese neue Handbuchausgabe von Prof. Dr. Holger Strutwolf und seinen Kollegen im Institut für Neutestamentliche Forschung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, nach über 10-jähriger Überarbeitung des textkritischen Apparates. Hunderte von griechischen Handschriften des sog. Urtextes, dazu viele neu entdeckte Handschriften, wurden ganz neu durchgesichtet und berücksichtigt. Hiermit wurde eine über 100 Jahre alte Tradition fortgesetzt seit der Erstausgabe im Jahre 1898. Zu Ehren der beiden ersten Herausgeber Eberhard Nestle (1851–1913) und später Kurt Aland (1915–1994) wird auch diese neue Ausgabe «Nestle-Aland-Nuvum Testamentum Gaece», also «Nestle-Aland Griechisches Neues Testament» genannt.
Das Ergebnis dieser Mammut-Arbeit ist die verdienstvolle Frucht von unendlich viel Fleissarbeit und höchster wissenschaftlicher Akribie. ­Insgesamt wurden 34 Änderungen in die neue Ausgabe übernommen. Demnächst erscheint noch eine Software-Ausgabe, für PC, Tablet-Computer und Smartphones. Ausserdem folgt noch eine wesentlich ­ausführlichere, für wissenschaftliche Zwecke gedachte Ausgabe, die «Editio Critica Maior».

Dennoch bleibt ein Wermutstropfen. Am Ende des Buches, bei dem vertrauten biblischen Kartenmaterial, heisst es in der Legende weiterhin : «Palestine in Old Testament Times» (zu Deutsch: «Palästina zur Zeit des Alten Testaments») und «Palestine in New Testament Times». Die Autoren haben weiterhin die Praxis der Feinde Israels beibehalten, das Land Israel, das Gott dem Volk Israel verheissen und ihm auf ewig zugeteilt hat, mit jenem Namen zu belegen, den der bekannte Israel-Hasser, der römische Kaiser Hadrian, diesem Land im Jahre 135 n. Chr. im Zorn zugeteilt hat, «auf dass man des Namens Israel nicht mehr gedenke». In Erfüllung dieser Prophezeiung aus Psalm 83, Vers 4, nannte Kaiser Hadrian das Land Judäa bzw. Land Israel (so in Matthäus 2,20) in «Syria Palaestina» um, nach dem grössten historischen Feind Israels, den Philistern, die zu diesem Zeitpunkt längst ausgestorben waren. Zur Zeit des Alten Testaments und zur Zeit des Neuen Testaments gab es kein «Palestine» bzw. «Palästina»

Bei all dem geballten wissenschaftlichen Sachverstand in über zehn Jahren Überarbeitungszeit ist es nicht gelungen, dieses Ärgernis endlich aus dieser neuen Bibel-Ausgabe zu verbannen. Wie viele Neubearbeitungen müssen noch abgewartet werden, bis diese antijüdische Geschichtsfälschung aus den wissenschaftlichen und dann auch aus den sonstigen Bibelausgaben endlich verschwindet?
Ich hatte Gelegenheit, bereits 2010 diese Problematik mit einem der Mitarbeiter des wissenschaftlichen Teams des Instituts für Neutestamentliche Textforschung in Münster, Herrn Dr. Fassnacht, zu erörtern. Dr. Fassnacht war damals von seinem Institut beauftragt, in den Bibliotheken von Turin noch unausgewertete alte Handschriften des Neuen Testaments für diese neue Ausgabe zu studieren und auszuwerten. Er versprach, diese Anregung für die damals noch in Bearbeitung befindliche neue Handbuchausgabe zu berücksichtigen und diese Änderung vorzuschlagen.
Von befreundeten Theologen erfuhr ich, dass ähnliche Vorstösse schon seit Jahrzehnten immer wieder gemacht worden sind. Leider fiel dies aber letztlich alles weiterhin auf taube Ohren. Wie lange noch?


Quelle: http://zeltmacher.eu/bibel-das-land-heisst-israel-nicht-palaestina/

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